Glöckelchenverein
Historische Vortragsreihe
Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Groß-Zimmern lädt der Glöckelchen e.V. – Verein für Kunst, Kultur und Heimatgeschichte – im Jahr 2026 zu einer historischen Vortragsreihe ein. In Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Partnern beleuchten Referentinnen und Referenten zentrale Aspekte der Ortsgeschichte von ihren mittelalterlichen Anfängen bis in die jüngere Vergangenheit. Veranstaltungsort aller Vorträge ist das Kulturzentrum Glöckelchen, Beginn jeweils um 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Den Auftakt bildet am Donnerstag, 19. Februar 2026, ein Vortrag von Thomas Steinmetz (Berlin) unter dem Titel „Neue Erkenntnisse über die Gründung Groß-/Klein-Zimmerns – War Groß-Zimmern eine gescheiterte Stadtgründung des 13. Jahrhunderts?“. Ausgangspunkt ist die Urkunde von 1276, die als Ersterwähnung des Dorfes „Zymmern“ gilt und an der sich die 750-Jahr-Feier orientiert. Steinmetz stellt seine Forschungen zur Entstehung der Siedlung vor und vertritt die These, dass Groß- und Klein-Zimmern ursprünglich eine gemeinsame Gemarkung bildeten. Nach deren Teilung sei Groß-Zimmern planmäßig als befestigter Ort angelegt worden – als sogenanntes oppidum, also als Stadtgründung. Seine Argumentation stützt sich auf die politische Situation des 13. Jahrhunderts sowie auf siedlungsstrukturelle Merkmale, die im Ortsbild bis heute erkennbar sind. Der Vortrag findet in Zusammenarbeit mit dem Breuberg-Bund statt.
Helmut Kriha (Groß-Zimmern) widmet sich in seinem Vortrag am Donnerstag, 19. März 2026, der frühen Neuzeit. Unter dem Titel „Groß-Zimmern im 17. und 18. Jahrhundert – Dokumente aus dem Archiv der Fürsten von Löwenstein-Wertheim“ stellt er Ergebnisse seiner Recherchen im Staatsarchiv Wertheim vor. Von 1528 bis 1806 gehörte Groß-Zimmern zum Amt Habitzheim der Fürsten von Löwenstein-Wertheim. Anhand archivalischer Quellen vermittelt der Vortrag Einblicke in Verwaltung, Alltagsleben und soziale Verhältnisse jener Zeit.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reihe ist die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Am Donnerstag, 23. April 2026, spricht Rahel Blum (Frankfurt) zum Thema „Jüdisches Leben in Groß-Zimmern – Einblicke in die Geschichte der jüdischen Landgemeinde“. Seit dem frühen 17. Jahrhundert lebten Juden in Groß-Zimmern; im 18. Jahrhundert entstand eine selbstständige Gemeinde, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf über 140 Personen anwuchs. Rahel Blum zeichnet die Entwicklung der Gemeinde nach, deren Zentrum die Synagoge in der Kreuzstraße 17 war, und thematisiert zugleich Verfolgung, Flucht und Ermordung der letzten Gemeindemitglieder in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Referentin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Synagogen-Gedenkbuch Hessen“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Veranstaltung wird gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt durchgeführt.
Die jüngere Geschichte steht im Mittelpunkt des Vortrags am Donnerstag, 21. Mai 2026: „Sind Groß- und Klein-Zimmern zusammengewachsen? Rückblicke auf 50 Jahre Gebietsreform“. Anlass ist der Zusammenschluss der beiden ehemals selbstständigen Gemeinden zum 1. Januar 1977 im Zuge der hessischen Gebietsreform. Ehemals politisch Verantwortliche diskutieren mit dem Publikum über Entwicklungen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Ortsteile seitdem.
Den Abschluss der Vortragsreihe bildet am Donnerstag, 18. Juni 2026, ein Vortrag von Bill Beaman (Buffalo, NY, USA) unter dem Titel „Hoffnung auf ein besseres Leben – Lebenswege Groß-Zimmerner Auswanderer in den USA“. Bill Beaman, selbst Nachkomme von Auswandererfamilien, untersucht die Schicksale jener 750 bis 800 Einwohner, die 1846 Groß-Zimmern verließen – nahezu ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich die Hoffnungen der Auswanderer auf ein besseres Leben in Nordamerika erfüllten.
Der beiden Vorsitzenden des Glöckelchenvereins, Manfred Göbel und Thomas Beutel, laden interessierte Bürgerinnen und Bürger im Namen aller Vereinsmitglieder herzlich zu den Vorträgen ein. Diese finden ohne Voranmeldung und kostenfrei im großen Saal des Glöckelchens statt. Über den Hintereingang des Kulturzentrums ist der Saal barrierefrei erreichbar.
Bitte beachten Sie auch die weiteren Veranstaltungen des Glöckelchenvereins im Jubiläumsjahr, die alle auf dem Flyer „Was ist los?“ zu finden sind. Merken Sie sich bereits heute die Termine dazu vor!

