Glöckelchenverein

Vortrag über die Auswanderung aus Groß-Zimmern


Mit einem außergewöhnlichen Vortrag endete die historische Vortragsreihe des Glöckelchenvereins. Im Mittelpunkt stand die große Auswanderungswelle aus Groß-Zimmern in die USA im Jahr 1846. Als Referent konnte mit Bill Beaman ein Nachkomme damaliger Auswanderer gewonnen werden, der eigens aus den Vereinigten Staaten anreiste.

Bill Beaman beschäftigte sich über zwölf Jahre intensiv mit der Auswanderungsgeschichte der Groß-Zimmerner und hat ein weitreichendes Netzwerk von Nachfahren aufgebaut. Die Ergebnisse seiner Forschungen trug er in einem Buch zusammen, aus dem er während seines Vortrags interessante Einblicke präsentierte.

Dabei schilderte er zunächst die Beweggründe vieler Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Neben wirtschaftlicher Not spielte auch die Haltung der Gemeinde eine Rolle: In einzelnen Fällen wurden Auswanderungen finanziell unterstützt, um als unliebsam geltende Personen aus der Gemeinde fortziehen zu lassen. Anschaulich berichtete Bill Beaman über die Schiffe, mit denen die rund 700 Auswanderer den Atlantik überquerten, sowie über ihre ersten Erfahrungen in der Neuen Welt.

Die meisten Groß-Zimmerner fanden ihre neue Heimat im Raum New York. Erste Anlaufstelle war dabei das Armenhaus in New York, dessen Bewohnerzahl sich durch die Ankunft der Auswanderer aus Groß-Zimmern verdoppelte. Bill Beaman schilderte eindrucksvoll die oftmals schwierigen Lebensumstände und die Ablehnung, mit der viele Einwanderer in den Vereinigten Staaten konfrontiert waren.

Auch die unterschiedlichen Wege der Neuankömmlinge wurden beleuchtet: Während katholische Auswanderer überwiegend in den Städten blieben, zog es die Protestanten eher in ländliche Regionen. Bereits um 1860 begann die nachfolgende Generation, ihre deutschen Wurzeln zunehmend in den Hintergrund treten zu lassen. Die deutsche Sprache wurde vielerorts bewusst nicht mehr an die Kinder weitergegeben, um die Integration in die amerikanische Gesellschaft zu erleichtern.

Besonders bemerkenswert war Bill Beamans Schilderung eines New Yorker Stadtteils, der über lange Zeit nahezu ausschließlich von Menschen aus Groß-Zimmern oder mit Groß-Zimmerner Familienbezug bewohnt wurde. „Wie ein gallisches Dorf“, beschrieb er die besondere Gemeinschaft der Auswanderer, ählich wie bei den Asterix-Comics, nur dass die Zimmner von Auswanderern aus Irland umgeben waren.

Bis etwa 1880 hatten die Auswanderer und ihre Nachkommen den durchschnittlichen Lebensstandard der amerikanischen Bevölkerung erreicht. Unter ihnen fanden sich Selbstständige und Unternehmer ebenso wie Landwirte, Anstreicher oder Hausmeister. Ab etwa 1870 zog es viele Familien weiter in die westlich gelegenen Bundesstaaten. Seit den 1950er Jahren lebt nach Bill Beamans Recherchen mindestens ein Nachkomme aus Groß-Zimmern in jedem Bundesstaat der USA.

Ein weiteres Thema war die Einbürgerung. Nach fünf Jahren Aufenthalt bestand grundsätzlich die Möglichkeit, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Während einige Auswanderer diesen Schritt früh gingen, warteten andere Jahrzehnte damit. Viele engagierten sich darüber hinaus ehrenamtlich, etwa im Sportwesen oder bei den Feuerwehren. Nur wenige Nachfahren seien durch kriminelle Aktivitäten auffällig geworden.

Unter den Nachkommen finden sich auch Persönlichkeiten mit bemerkenswerten Lebenswegen. Der bekannteste erhielt im Jahr 1934 den Nobelpreis für Chemie. Ein weiterer Nachfahre gehört heute der Geschäftsleitung eines Unternehmens an, das an der Produktion der erfolgreichen Zeichentrickserie „SpongeBob Schwammkopf“ beteiligt ist.

Bill Beaman selbst engagiert sich weiterhin intensiv in der Familienforschung und trägt mit seiner Arbeit dazu bei, die Verbindungen zwischen den Nachkommen der Auswanderer und ihrer ursprünglichen Heimat lebendig werden zu lassen.

Das Interesse an dem Vortrag war außerordentlich groß. Der große Saal des Glöckelchens war vollständig besetzt, zahlreiche Besucher verfolgten die Ausführungen sogar vom Foyer aus. Die Zuhörer dankten dem Referenten mit großem Applaus. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit dem Gast aus den USA ins Gespräch zu kommen.

Da der Vortrag in englischer Sprache gehalten wurde, sorgte die Dolmetscherin Sina Mohaupt für die Übersetzung. Bill Beaman hatte außerdem gedruckte Exemplare seines rund 300 Seiten umfassenden Werkes in englischer Sprache mitgebracht. Ein Restbestand ist über den Glöckelchenverein in der Geschäftsstelle im Rathaus, Abteilung Sport, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit, zum Preis von 40 Euro pro Exemplar erhältlich.

Zum Abschluss dankte der Vorsitzende des Glöckelchenvereins, Dr. Manfred Göbel, dem Referenten sowie der Dolmetscherin. Im Beisein von Bürgermeister Mark Pullmann überreichte er beiden als Anerkennung eine Flasche Jubiläumssekt.

Als bleibende Erinnerung an die Auswanderung wurde am Jubiläums-Jahrmarkt die von Nachkommen der Auswanderern gestiftete Plakette am damaligen Rathaus, dem heutigen evangelischen Gemeindehaus, im Beisein der Ideengeberin Nancy Bennent, der Familie Beaman und weiteren US-Amerikanern, Bürgermeister Mark Pullmann und Dr. Manfred Göbel stellvertretend für den Glöckelchenverein feierlich enthüllt. Als Gastgeschenk erhielt Bill Beaman eine Fahne mit Zimmner Wappen.

Bitte beachten Sie auch die letzte Veranstaltung des Glöckelchenvereins im Jubiläumsjahr, den „Zimmner Gala-Owend“ am 7. November, für den der Kartenvorverkauf bereits läuft. Ebenso werden für die Aktion „Zimmner in aller Welt“ weiterhin Fotoeinsendungen angenommen.