Glöckelchenverein
Ein Stück Geschichte für Zuhause
Der Glöckelchenverein freut sich über das überwältigende Interesse am Vortrag von Bill Beaman zur Massenauswanderung in die USA im Jahr 1846.
Bill Beaman, Referent des Abends und Autor des rund 300 Seiten umfassenden Buches „Cargo of Wretched Human Beings – the 1846 mass migration from Groß-Zimmern“ im US-Letter-Format, beleuchtete die historischen Hintergründe sowie die Schicksale der Auswanderinnen und Auswanderer und ihrer Nachkommen – zu denen auch er selbst zählt. Im Rahmen des Vortrags konnte er jedoch nur einen kompakten Einblick in seine umfangreichen Recherchen geben. Wer sich intensiver mit diesem bedeutenden Kapitel der Geschichte beschäftigen möchte, findet in seinem Buch zahlreiche weitere Hintergründe, Dokumente und spannende Details. Für die Veranstaltung brachte Bill Beaman mehrere Exemplare seines Werkes nach Groß-Zimmern mit.
Einige wenige Bücher sind noch erhältlich. Diese können während der Öffnungszeiten im Rathaus Groß-Zimmern in der Geschäftsstelle des Glöckelchenvereins (2. Stock, Raum 11, Büro für Sport, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit) zum Preis von 40 Euro (Spende) erworben werden. Interessierte können darüber hinaus gerne einen individuellen Termin zur Abholung vereinbaren. Anfragen sind per E-Mail an gloeckelchen@gross-zimmern.de möglich.
Rezension zum Buch
„Im Jahr 1846 verließen zwischen 750 und 800 Personen Groß-Zimmern mit Ziel Nordamerika; das war fast ein Viertel der gesamten Einwohnerschaft. Ihre Ankunft in New York ist der Ausgangspunkt für die Arbeit von William G. Beaman, der selbst Nachkomme von zwei Groß-Zimmerner Auswandererfamilien ist. Vor nunmehr zwölf Jahren war Beaman bei Recherchen zu seinen Vorfahren auf die Geschichte der Massenauswanderung aus Groß-Zimmern gestoßen. Sie weckte sein Interesse und er begann mit Recherchen zu den Schicksalen der Auswandererfamilien. Nun hat er das Ergebnis dieser Recherchen in Form einer genealogischen und gesellschaftspolitischen Studie veröffentlicht.
In 16 chronologisch aufgebauten Kapiteln führt Beaman die Leserinnen und Leser von der Ankunft der Auswanderer 1846 in New York bis in die Gegenwart. Darin kann er zwar nicht alle der über 100 Auswandererfamilien darstellen, wiewohl er deren Nachkommen bei seinen Recherchen erfasst hat. Exemplarisch bezieht er jedoch in jedem Kapitel das Schicksal mehrerer Familien ein, so dass das Buch für genealogisch Interessierte zahlreiche Informationen bietet.
Beamans eigentlicher Fokus liegt jedoch auf dem gesellschaftspolitischen Aspekt der Integration und Assimilation der Auswanderer in die amerikanische Gesellschaft. An vier Kriterien misst er das Voranschreiten dieses Prozesses: Spracherwerb, sozioökonomischer Status, geografische Verteilung und Heiraten mit Partnern außerhalb der eigenen ethnischen Gruppe. Seine Feststellungen zu diesen vier Kategorien belegt Beaman in den einzelnen Kapiteln mit aus seinen Recherchen gewonnenen Daten. Aber Beamans Veröffentlichung wird dadurch nicht zu einer trockenen Lektüre. Das verhindern die jedem Kapitel zugeordneten Informationen über die Lebenswege der Nachkommen der Auswanderer. So berichtet Beaman von Joseph Stumpf, Sohn des Auswanderers Johann Stumpf, der in den Westen ging, im Bergbaugeschäft tätig war und um 1880 bei Leadville in Colorado eine nach ihm benannte Ortschaft gründete, die heute eine Geisterstadt ist – Stumptown. Andere wurden durch ihre beruflichen Erfolge bekannt, wie zum Beispiel Prof. Harold Clayton Urey (1893-1981), Nachkomme des Leinwebers Heinrich Eckhard, der mit Ehefrau und fünf Kindern ausgewandert war. Urey erhielt 1934 für die Entdeckung des Deuteriums den Nobelpreis für Chemie. Eine andere Art von Berühmtheit erreichte Frances Geis, die Urenkelin von Johann Adam und Margaretha Geiß. Frances Geis lebte in den 1930er Jahren in der Bronx mit Arthur Simon Flegenheimer zusammen, der als Bandenchef im organisierten Verbrechen unter dem Namen „Dutch Schultz“ bekannt wurde.
Mit der Untersuchung der Lebenswege der Groß-Zimmerner Auswanderergruppe und ihrer Nachkommen und der damit verbundenen Analyse ihrer Integration in die amerikanische Gesellschaft hat Beaman eine exemplarische Studie zur Geschichte der Einwanderung in die USA vorgelegt. Zugleich macht die Mischung aus sachlicher Information und Betrachtung einzelner Schicksale Beamans Veröffentlichung zu einer interessanten und anregenden Lektüre.“ (Dr. Manfred Göbel, September 2025)

