Glöckelchenverein

Sind Groß- und Klein-Zimmern zusammengewachsen?


In der Reihe seiner historischen Vorträge zur Ortsgeschichte, die der Glöckelchen e.V. anlässlich der 750-Jahr-Feier der Gemeinde veranstaltet, ging es am 21. Mai 2026 im Groß-Zimmerner Kulturzentrum um die jüngste Vergangenheit – genauer: um Zeit nach der Gebietsreform, die die bis dahin selbständigen Gemeinden Groß- und Klein-Zimmern in einer Gemeinde zusammenführte.

Wie hat sich das Verhältnis der beiden Orte entwickelt? Dazu hatte der Glöckelchen e.V. sechs Persönlichkeiten um ihre Einschätzung geben. Gerd Held und Albert Henrich waren in den 1970er Jahren, als die Entscheidungen über die Gebietsreform fielen, Mitglied in der Groß-Zimmerner Gemeindevertretung. Dieter Emig und Achim Grimm waren Bürgermeister und haben in diesem Amt insgesamt 30 Jahre die Geschicke der Gemeinde maßgeblich mitgestaltet. Katharina Geibel und Markus Geßner waren für die Klein-Zimmerner Perspektive gefragt; beide waren bzw. sind in der Kommunalpolitik aktiv, Markus Geßner aktuell als 1. Beigeordneter der Gemeinde.

Die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung erlebten sehr persönliche Statements der Referenten und biographisch bedingte unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema. Albert Henrich, der in Klein-Zimmern aufgewachsen ist, wies auf die Entwicklung des Ortes hin und den Wunsch der Gemeinde, sich mit Dieburg zusammenzuschließen. Dass Groß-Zimmern in dieser Diskussion auf einen Zusammenschluss mit Gundernhausen setzte, wurde von mehreren Rednern erwähnt. Beide Vorhaben misslangen, und Groß- und Klein-Zimmern mussten sich gemeinsam zurechtfinden. Dass hier Animositäten bestanden, wurde ebenfalls in mehreren Beiträgen deutlich – angefangen von Rivalitäten zwischen Jugendlichen, die Albert Henrich erwähnte, über das negative Bild Klein-Zimmerns mit der „Anstalt“, mit dem Kindern in Groß-Zimmern gedroht wurde, wovon Achim Grimm berichtete, bis hin zu Spannungen auf kommunalpolitischer Ebene, die auch im Verhältnis der damaligen Bürgermeister Walter Thünken und Reinhold Köbel zum Ausdruck kamen.

Dass in Klein-Zimmern noch Jahre nach dem Zusammenschluss mit Groß-Zimmern die Gebietsreform schmerzte, erfuhr Katharina Geibel, die 1988 nach Klein-Zimmern gab. Der Ort hatte nicht nur seine Selbständigkeit verloren, sondern auch seinen Ortsteil Grube Messel. „Klein-Zimmern hat irgendwie nicht mehr stattgefunden“, fasste Markus Geßner diese Stimmung zusammen. Die Ausgangslage für eine Zusammenarbeit war somit schwierig und der Umgangston anfangs auch ruppig. Dann begann jedoch die Phase, die Gerd Held als „zusammenrücken“ bezeichnete. Übereinstimmend betonten mehrere Redner die dabei wichtige Rolle der Vereine. Markus Geßner verwies auf die Überwindung des anfänglich distanzierten Verhältnisses der beiden Feuerwehren, Gerd Held auf die Arbeit der Kirchen, durch die auch im ökumenischen Bereich Grenzen aufgeweicht werden konnten.

Als wichtige Stationen auf diesem Weg wurden insbesondere die Gründung des Kerb- und Kulturvereins in Klein-Zimmern 1992 und auf der Ebene der Kommunalpolitik die Einrichtung eines Ortsbeirates für Klein-Zimmern 1997 hervorgehoben. So unterschiedlich diese Ereignisse auch sind (hier könnte noch die Teilnahme Klein-Zimmerns an dem Hessischen Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ergänzt werden), sie stärkten – wie Markus Geßner sagte – das Selbstbewusstsein Klein-Zimmerns, oder – mit Worten von Dieter Emig – die Identität des Ortsteils. Provokant fragte er, warum Ortsteile eigentlich zusammenwachsen sollten und hob die Bedeutung von Eigenarten als Bestandteil eines Heimatgefühls hervor und ihre Bedeutung als stabilisierende Faktoren in einer unübersichtlicher werden Welt. Achim Grimm sah es ähnlich. Er verwies ebenfalls darauf, dass beide Orte ihre unterschiedlichen Traditionen – wie zum Beispiel die Kerb – bewahrt haben und aktiv leben. „Man hilft und unterstützt sich gegenseitig“, sagte Grimm. „Und doch lebt jeder seine eigene Dorfstruktur weiter, was auch gut für die eigene Identität ist.“

Einig waren sich alle in der Einschätzung, dass sich beide Orte im Laufe der Jahre nähergekommen sind. Katharina Geibel erwähnte dabei auch, dass Klein-Zimmern mit Groß-Zimmern gemeinsam die 750-Jahr-Feier begehe. Obwohl doch Klein-Zimmern bekanntlich der ältere Ortsteil sei.

Die Mitglieder des Glöckelchenvereins möchten an dieser Stelle auf die nächste Abendveranstaltung hinweisen, die sich der Auswanderung vor 180 Jahren widmet.

Bitte beachten Sie auch die weiteren Veranstaltungen des Glöckelchenvereins im Jubiläumsjahr, die alle auf dem Flyer „Was ist los?“ oder unter www.gross-zimmern.de/gloeckelchenverein zu finden sind. Merken Sie sich bereits heute die für Sie interessanten Termine vor!